Was die Volkswirtschaft mit Insekten verdient

Was die Volkswirtschaft mit Insekten verdient
Foto: alleideen.com/Wikimedia CC

Was die Volkswirtschaft mit Insekten verdient

Viel Geld durch die Tiere: 3,8 Milliarden Euro „erwirtschaften“ unsere Tiere für die Menschen jedes Jahr in Deutschland. Weltweit sind es gar eine Billion US-Dollar. Das berechneten jetzt Wissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart.

Vor allem durch die Bestäubungsleistung der Insekten werde somit rund ein Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts erwirtschaftet. Dieser enorme Wert ist das Ergebnis einer neuen Simulationsstudie, schreibt jetzt das Wissenschaftsportal Innovationsreport. Der Bericht bezieht sich auf die Studie, die sie Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Fachblatt ScienceDirect publizierten.

Ohne Bestäuber sähe die Welt viel trister aus

„Unsere Welt sähe ganz anders aus, wenn nicht Tag für Tag eine Unzahl an tierischen Helfern den Pollen von einer Blüte zu anderen tragen und diese so befruchten würde. Nur dann können viele Pflanzen Früchte und Samen bilden, die nicht nur unserer Ernährung, sondern auch ihrer natürlichen Fortpflanzung dienen und dazu beitragen, dass es in der Natur grünt und blüht“, schreibt das in der Schweiz verlegte Portal. In Deutschland und Europa leisteten demnach vor allem Bienen, aber auch Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten diese Bestäubungsarbeit.

In tropischen Breitengraden trügen zudem Fledermäuse oder Kolibris dazu bei.

Bei Äpfeln und Kirschen etwa seien im Durchschnitt 65 Prozent des Ertrags der Bestäubung durch Tiere zu verdanken, bei manchen Pflanzen wie beim Kürbis sind es sogar 95 Prozent, schreibt das Wissenschaftsportal. Getreidearten wie Weizen und Reis seien eher Wind- oder Selbstbestäuber und benötigten daher keine Fremdbestäubung.

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Fällt die jedoch aus, würde dies zu Ernteausfällen führen und die Preise steigen lassen. Verbraucher bekämen dann nicht nur weniger Obst und Gemüse, sie müssten für die verbleibenden Erntemengen auch mehr bezahlen.

Verbraucher zahlen am Ende die offene Rechnung

Prof. Dr. Christian Lippert und Dr. Manuel Narjes vom Fachgebiet Produktionstheorie und Ressourcenökonomik im Agrarbereich und Dr. Arndt Feuerbacher vom Fachgebiet Agrar- und Ernährungspolitik sind Autoren der Studie. Sie entwickelten dafür einen neuen Bewertungsansatz, mit dem sie die Leistung der Tiere für die Volkswirtschaft kalkulieren. „Bisher wurden solche Schätzungen auf der Basis von Annahmen zur langfristigen Anpassung der Agrarsysteme errechnet. Das ist aus unserer Sicht jedoch nicht korrekt, weil die langfristigen Anpassungsreaktionen sowohl der Agrarökosysteme als auch von Angebot und Nachfrage nicht absehbar sind“, zitiert der Innovationsreport Prof. Dr. Lippert.

„Deshalb haben wir den wirtschaftlichen Verlust nur kurzfristig für das Jahr unmittelbar nach dem hypothetischen Ausfall aller Bestäuber simuliert, denn danach würden andere Mechanismen greifen und einen Teil wieder auffangen. So könnten in der Landwirtschaft beispielsweise verstärkt selbst- und/oder windbestäubte Sorten angebaut werden“, fügt Lippert an. Die Landwirte könnten geringere Erträge bis zu einem gewissen Grad durch höhere Preise kompensieren. Aber der Verbraucher verliere, da er die gestiegenen Preise bezahlen muss. Deswegen wäre in jedem Fall der größte Teil des volkswirtschaftlichen Verlusts von den Verbrauchern zu tragen.

red

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