Wird Europas Wald verheizt?

Wird Europas Wald verheizt?
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Wird Europas Wald verheizt?

zeit.de: Die Suche nach Alternativen zu Gas erhöht den Druck auf Europas Wälder. Ein Report zeigt: Für Pellets werden auch ganze Holzstämme verfeuert – subventioniert von der EU.

In Europa werden offenbar massenweise ganze Holzstämme in Kraftwerken verbrannt oder zu Pellets verarbeitet. Das zeigt ein Report der Forest Defenders Alliance (FDA) mithilfe von Satellitenbildern und Vorortaufnahmen, den ZEIT ONLINE vorab einsehen konnte. Baumstämme zu verbrennen, ist zwar erlaubt. Die Praxis widerspricht aber den Darstellungen von Befürwortern von Holz als nachhaltiger Energiequelle. Auf EU-Ebene findet gerade eine Debatte statt, ob die aktuelle Subventionierung eingeschränkt werden soll. Kritiker bezeichnen sie als klima- und umweltschädlich.

Holz wird als nachhaltige und klimaneutrale Energiequelle behandelt und gefördert, weil es sich um einen nachwachsenden Rohstoff handelt: Holz, das in einem Kraftwerk verbrannt wird, stößt Kohlendioxid in die Atmosphäre aus. Gleichzeitig nehmen wachsende Wälder Kohlendioxid aus der Luft auf. Wenn so viel verbrannt wird wie nachwächst, so lautet das Argument, sei das klimaneutral.

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An dieser Darstellung äußern zunehmend Wissenschaftler, Politik und NGO Kritik. Denn gesunde Wälder spielen nicht nur eine wichtige Rolle für die Biodiversität. Holz ist auch ein begrenzter Rohstoff, der als Baustoff dienen, zu Möbeln verarbeitet oder in der Papierindustrie verwertet werden kann – und dabei weiterhin Kohlenstoff speichert. Selbst wenn Holz fossile Energieträger ersetzt, werde seine Verbrennung die Erwärmung über Jahrzehnte bis Jahrhunderte verstärken, schreiben über 500 Wissenschaftler in einem offenen Brief an Staatsoberhäupter. Beim Verbrennen von Holz gelange zwei- bis dreimal so viel Kohlenstoff in die Luft wie bei der Verwendung von Kohle oder Gas.

Feuchtes Holz zu verbrennen ist ineffizient

Wenn Bäume gefällt und verbrannt werden, geht in der Regel ein Großteil des lebenden Holzes verloren, bevor es Energie liefern kann. Holz zu verbrennen ist auch nicht effizient, da es viel Feuchtigkeit enthält. An diesen Tatsachen würden auch Nachhaltigkeitsstandards für die Waldwirtschaft nichts ändern, schätzen die Wissenschaftlerinnen. Sie fordern daher, Holzverbrennung nicht mehr als klimaneutral zu bezeichnen und seine Verbrennung zu subventionieren.

Befürworter der Holzverbrennung widersprechen. Der Brief sei irreführend, entscheidend sei, dass der Wald die Emissionen der Verbrennung wieder binde, sagt Christian Rakos, Geschäftsführer des österreichischen Industrieverbands proPellets.

In der Debatte geht es auch darum, ob Wald so weit wie möglich sich selbst überlassen werden sollte oder als Ressource genutzt wird. Dabei spielen auch die verschiedenen Arten von Holz eine Rolle. Weniger problematisch ist das Verbrennen von Teilen, die kaum anders genutzt werden können. Dazu gehören Sägespäne, die in der Holzverarbeitung anfallen, Rinde oder Äste. Aus dem neuen FDA-Report geht jedoch hervor, dass offenbar massenweise ganze Holzstämme verbrannt werden. Dem Augenschein nach könnten sie zumindest teilweise auch anders verarbeitet werden.

Die Aktivistinnen analysierten dazu Satelliten- und Fotoaufnahmen von Holzkraftwerken und Pelletherstellern in mehreren EU-Staaten. Insgesamt sind es 43 Anlagen, darunter sieben in Deutschland und Österreich. Der Report folgert, dass die meisten von ihnen erhebliche Mengen an ganzen Holzstämmen verwenden, darunter offenbar auch alte Bäume aus natürlichen Wäldern…. weiterlesen

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