Noch immer zu viele Tote wegen schlechter Luft

Noch immer zu viele Tote wegen schlechter Luft
Foto: EEA

Noch immer zu viele Tote wegen schlechter Luft

Noch immer fordert „dicke Luft“ – zu viele! – Todesopfer: Vor dem Hintergrund der von der Europäischen Umweltagentur (EEA) vorgestellten Daten zur Luftqualität in Europa fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) daher in einer Pressemeldung deutlich strengere Grenzwerte für Luftqualität.

Die „erschreckenden Ergebnisse“ im Bericht der obersten EU-Umweltbehörde zeigten, so heißt es in der Meldung des Umweltverbands, dass „in Deutschland die Schadstoffbelastung dringend verringert werden muss“. Dies gelte insbesondere mit Blick auf die Feinstaubbelastung, die im Vergleich zum Vorjahresbericht in der Mehrzahl der Mitgliedstaaten und auch in Deutschland zugenommen habe.

63.000 vorzeitige Todesfälle in Deutschland wegen schlechter Luft

In Deutschland stiege demnach die Anzahl der vorzeitigen Todesfälle, die auf die Belastung der Luft mit feinen Partikeln (PM 2,5) zurückzuführen seien, „auf mehr als 63.000“.

Zentrales Problem seien, so schreibt die DUH, die an den Interessen der Industrie ausgerichteten, viel zu laschen Grenzwerte. Die aktuell geltenden Feinstaub-Grenzwerte entfalteten keine Schutzwirkung. Trotz ihrer Einhaltung steige in Deutschland die Zahl der vorzeitigen Todesfälle. „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehle deshalb, „die Grenzwerte deutlich nach unten zu korrigieren“: Von 25 auf 10 Mikrogramm je Kubikmeter Luft (μg/m³) bei Feinstpartikeln (PM 2,5) sowie eine deutliche Reduzierung der maximal erlaubten Überschreitungstage von 35 auf 3 mit Blick auf den Tagesmittelwert für größere Partikel (PM 10).

Die WHO-Empfehlung für PM 2,5 sei im untersuchten Jahr 2018 an fast allen deutschen Messstationen (93 Prozent) überschritten worden.

Verkehr, Landwirtschaft und Kamine sind die größten Luftverpester

Die Luftwerte seien immer noch zu stark belastet klagt DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch: „Die immer noch zu hohe Belastung der Atemluft mit Schadstoffen führt zu vielen hunderttausend Erkrankungen und zu zehntausenden vorzeitigen Todesfällen in Deutschland – jedes Jahr.“ Die derzeitigen EU-Grenzwerte reichten keinesfalls aus, um die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Auf EU-Ebene müsse die Kommission ihrer Ankündigung zur Überarbeitung der Grenzwerte noch in 2021 Taten folgen lassen und diese baldmöglichst an die neuen WHO-Empfehlungen anpassen, die im kommenden Jahr veröffentlicht werden.

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„Bund, Länder und Kommunen müssen gemeinsam Sofortmaßnahmen ergreifen, um die Zahl der vorzeitigen Todesfälle in Deutschland zu senken und es den Menschen endlich zu ermöglichen, überall Saubere Luft zu atmen“, so Resch.

Wo Sofortmaßnahmen notwendig seien, zeigt der EEA-Bericht ebenfalls auf. Er benenne die Sektoren, in denen am meisten Handlungsbedarf bestehe: So trügen Landwirtschaft und Feuerungsanlagen – allen voran jene in Haushalten – bislang am wenigsten zur Minderung der Luftbelastung bei.

Lockdown-Effekt belegt Wirksamkeit einer Verkehrswende

Auch den Sondereffekt der Minderungen der Schadstoffkonzentrationen während des europaweiten Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 beschreibt der Bericht der EEA. Die Minderungen lagen für NO2 unabhängig von meteorologischen Bedingungen demnach bei bis zu 60 Prozent. „Diese erfreulich hohen Effekte belegen die Wirksamkeit von Maßnahmen der Verkehrswende für die Luftqualität. Je weniger Autos in unseren Städten fahren, umso besser wird die Luft. Allerdings zeigen die Oktober-Werte in vielen Städten, dass mit der beginnenden Normalisierung des Pkw-Verkehrs auch die Werte auf Vor-Corona Zeiten ansteigen“, so Resch.

red

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