Schwankende Rohstoffpreise setzen Entsorger zu

Schwankende Rohstoffpreise setzen Entsorger zu

Schwankende Rohstoffpreise setzen Entsorger zu

Wer derzeit einen Handwerker sucht oder ein neues Auto kaufen will, bekommt den Rohstoffmangel zu spüren. Zum einen steigen Preise für Holz, Metall und Halbleiter seit Beginn der Pandemie teils um das Dreifache, zum anderen sind Wertstoffe kaum verfügbar. Lieferzeiten von bis zu einem Jahr sind üblich geworden.

Das merkt auch der Göppinger Entsorgungsbetrieb DU: willkommen in der Umwelt, zu dem die Firmen ETG Entsorgung + Transport, Fetzer Rohstoffe + Recycling, Metall-Recycling Göppingen sowie PET Recycling gehören. Zwar schnellt im vergangenen Jahr der Umsatz des Mittelständlers mit aktuell 180 Beschäftigten von 38 auf 45 Millionen Euro um 20 Prozent nach oben, die Menge transportierter Wertstoffvolumen bleibt jedoch auf Vorjahresniveau.

Historische Preishöchststände für Altpapier

Beate Schwarz verdeutlicht die Ausmaße: „Wir erleben aktuell historische Preishöchststände, etwa beim Altpapier; nachdem es im Vorjahr einen Preistiefstand gab.“

Beate Schwarz DU
Beate Schwarz Fotos: DU: willkommen in der Umwelt

Besonders anschaulich sei dies auch bei Altmetall- und Schrott. Die Preise dafür steigen 2021 um bis zu 40 Prozent. Die Gründe für diese volatile Entwicklung sieht Schwarz in der Pandemie, der damit weltweit einhergehenden Rohstoffknappheit und Spekulationen an den Rohstoffbörsen.

Wobei sich die Situation auch in diesem Jahr im Landkreis kaum entspannen dürfte. Beispiel Papiertonne: etwa die Hälfte aller 100.000 Haushalte im Landkreis Göppingen verwendet bisher keine blaue Tonne. Parallel zur neuen Müllgebührenordnung tauscht der Landkreis jedoch etliche Hausmüllbehälter in kleinere 60-Liter fassende Tonnen um. „Seitdem verdoppelt sich die Nachfrage nach Blauen Tonnen bei uns“, so Schwarz. Liefert DU: bislang jährlich 3000 Papiertonnen aus, prognostiziert der Entsorger für dieses Jahr mindestens eine Verdreifachung des Bedarfs, weil Bürger nun Papier vom Restmüll trennen. Und auch, weil Vereine Corona-bedingt kein Altpapier mehr sammeln.

Lange Liefverzeiten für das benötigte Material und die Maschinen

Kopfzerbrechen bereitet dem Entsorger zudem die Verfügbarkeit von Arbeitsgeräten. „Wer als Dienstleister an einer Ausschreibung teilnehmen will, muss sich lange davor präparieren“, so die Betriebswirtin. Lieferzeiten für Fahrzeuge liegen aktuell bei 18 Monaten und die Lkws sind um bis zu 30 Prozent teurer als noch vor 2019. Auch Stahlcontainer sind laut Schwarz doppelt so teuer und Lieferzeiten ähnlich lange.

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Vor diesem Hintergrund und der Flächenknappheit im Kreis sei ein Wachstum in angestammten Geschäftsfeldern kaum möglich. Größter Standort der Schwarz-Gruppe, zu der DU: und die Spedition Wackler gehören, ist demnach nicht mehr Göppingen, sondern Wilsdruff bei Dresden.

Ansonsten stellt sich die Situation für die Firmengruppe mit aktuell steigenden Energiepreisen ähnlich komplex dar. Energieintensive Verfahren, wie das Recyceln von PET-Flaschen, seien kaum noch kalkulierbar. Zumal Entschäumungsmittel, die das Waschwasser lebensmittelecht reinigen, ebenfalls Preissprünge erleben, die Schwarz nur schwer an Kunden weitergeben könne. Lösungen seien etwa Indizes-verknüpfte Angebote, die etwaige Preissteigerungen oder -stürze berücksichtigen.

Nachdem nach 52-jähriger Zusammenarbeit mit dem Kreis der Auftrag zur Hausmüllentsorgung 2022 nicht mehr an die ETG geht, „arbeiten wir seit Januar als Subunternehmer für Entsorger Remondis“, so Schwarz. Das Seitenlader-Geschäft kauft der Konzern bei DU: ein. Für 40 Prozent des Restmüllaufkommens im Kreis ist der Mittelständler deshalb nach wie vor zuständig.

Aufbereitung von Klärschlamm

Zukunftsprojekte der Firmengruppe sind fünf Anlagen zur Klärschlammveredelung. Ein von uns entwickeltes Verfahren, spart Kommunen Energie und Transportwege, weil Klärschlamm nicht mehr, wie vielerorts üblich, verbrannt wird. Sondern die neuen Anlagen diesen trocknen, um lebensnotwendige Rohstoffe, wie Phosphor, zurückzugewinnen. „Unsere Pilotanlage in Niedersachsen läuft im Zweischichtbetrieb“, so Schwarz. Das Investitionsvolumen pro Anlage und Standort liege bei vier Millionen Euro, projektiert sind derzeit Orte in Niedersachsen und Baden-Württemberg.

Erfreulich entwickelt sich die Marke Moola. Pflanzenkohle schafft 2021 den Weg in den Koalitionsvertrag des Landes und die beiden von DU: betriebenen Anlagen sind laut Schwarz ausgelastet. Die als Bodenverbesserer vermarktete Kohle wird zunehmend von Privatkunden gekauft. Der überwiegende Teil der Jahresproduktion von 600 Tonnen geht jedoch an Kommunen und Gewerbekunden. Sie bindet zudem 1800 Tonnen CO2 und ist damit aktiver Klimaschützer.

Lukas Nekher

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