Unverkaufte Corona-Ware verschenken statt vernichten

Unverkaufte Corona-Ware verschenken statt vernichten
Foto: Stock Snap/Pixabay CC/PublicDomain

Unverkaufte Ware verschenken statt vernichten

Die Idee klingt erst einmal prima: Statt Waren, die zuhauf landauf und landab die Lager in den vom Corona-Lockdown blockierten Läden verstopfen jetzt einfach wegzuwerfen oder sie zu vernichten, sollten die Händler die 500 Millionen Pullover, Schuhe, Jacken oder Hosen, die zurzeit als unverkäuflich gelten (weil keine Kunden in die Läden dürfen), doch besser Menschen schenken, die sie brauchen. raktionschefin Kathrin Göring-Eckardt der Grünen im Bundestag hat dies nun gemeinsam mit Hauptgeschäftsführer Stefan Genth vom Handelsverband HDE sowie Ulrich Schäfer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband vor der Presse gefordert.

Die ungewöhnliche Koalition war sich einig: Ihr Vorschlag hilft. Im reichen Deutschland galten 2019 immerhin nämlich 13 Millionen Menschen als arm. Immerhin jedes 5. Kind ist von der Notsituation betroffen. Diese Menschen könnten solche Kleidung bestimmt gut brauchen.

Signal der Hoffnung: Olaf Scholz müsste handeln
BPK Goering Spenden
Schneider, Genth, Göring-Eckardt (v.l.n.r) Foto: global°

Die gute Idee aber hat einen Haken: Damit sie klappt, muss erst Finanzminister Olaf Scholz seine Verwaltung und die Finanzämter anweisen, ihre gängige Praxis – endlich – zu ändern. „Immer noch ist aufgrund steuerlicher Regelungen das Spenden teurer als die Vernichtung“, beklagen Göring-Eckardt, Genth (HDE) und Schäfer. Bei Spenden müssten Händler heute nämlich Umsatzsteuer auf einen fiktiven Preis ans Finanzamt abführen. „Das muss die Regierung ändern“, appellieren sie.

Das Problem sei lange bekannt. Immer wieder vernichten etwa auch Onlinehändler ebenfalls retournierte Warenpakete. Das sei finanziell günstiger, begründen sie, als die Ware an neue Kunden zu verkaufen. Diese „offenkundige Fehlsteuerung“ müsse der Finanzminister nun endlich korrigieren, fordert die neue Initiative. Sie wolle mit Solidarität und Dialog „Gutes schaffen“.

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Die Logistik für eine solche Spendenaktion stehe. Eine flächendeckende Verteilung garantierten laut Schneider die Wohlfahrtsverbände. Für Göring-Eckardt wäre es „ein Signal der Hoffnung“, wenn die unzähligen Kleidungsstücke auf Ihre Initiative hin doch noch von Menschen getragen würden. Die nämlich, warf Ulrich Schneider ein, müssten sich mit viel zu schmalen Regelsätzen einkleiden: „Für ein Schulkind stehen dafür gerade einmal 39 Euro für Winterkleidung zur Verfügung.“

Initiative ist gut – trifft aber nicht den Kern des Problems

Allerdings packt auch die noch so gute Idee das Übel nicht wirklich an der Wurzel. Das ist schade.

Es ist zwar richtig, dass Spenden viel besser ist als die Ware zu vernichten – und Steuerbremsen darf es dabei keinesfalls geben. Der eigentliche Kern des Übels aber dürfte doch wohl in der übermäßigen Produktion viel zu vieler Kleider und Hosen liegen, im zu raschen Wechsel der Moden und im durch oft aggressive Werbung angeheizten Konsum. Da zählt dann auch das Argument der Initiative kaum, dass von der Verteilung der jetzt im Stau streckenden Kleidung und Schuhe ja auch die Näherinnen in Asien etwas hätten, weil die Hersteller dann neue Ware ordern.

Echt nachhaltiges Handeln ginge anders. Es setzt statt auf raschen Billigkonsum auf die Erzeugung hochwertiger Waren, die dann auch zu fairen Preisen hergestellt und gehandelt werden. Sie belasten die Umwelt weniger und garantieren sozialverträgliche Lieferketten.

Die gute Idee ist also eher zu kurz gesprungen – aber in einem Wahljahr wie 2021 lässt sich damit immerhin Punkten.

Gerd Pfitzenmaier

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