„Wie ein Meteorit in Slow Motion“

„Wie ein Meteorit in Slow Motion“

„Wie ein Meteorit in Slow Motion“

„Die Klimakatastrophe ist wie ein riesiger Meteorit, der in Super Slow Motion auf die Erde einschlägt“, kommentiert Prof. Michael Norton: „Vielleicht zu langsam für uns Menschen, um die Auswirkungen und die Dringlichkeit zu verstehen. Paradoxer- und tragischerweise durchläuft die wichtigste Quelle der Widerstandsfähigkeit unseres Planeten, die biologische Vielfalt, ein sich ständig beschleunigendes Massenaussterben, vielleicht zu schnell für uns Menschen, um dem ein Ende zu setzen.“ EASAC (der European Acadmies Science Advisory Council) hat im Hinblick auf den Biodiversitätsgipfel, der im April in China stattfindet, die neuesten Daten in einem Kommentar aufbereitet. 

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Der Kommentar fasst die zehnjährige wissenschaftliche Analyse von EASAC in den Bereichen Umwelt-, Energie- und Biowissenschaften vor dem beängstigenden Hintergrund eines unaufhaltsamen Anstiegs von Temperatur und Feuchtigkeit zusammen. In einigen Gebieten steigen sie auf ein Niveau, auf dem es für die Menschen oder die für sie lebensnotwendigen Pflanzen und Tiere schwierig oder unmöglich ist, zu überleben, oder auf dem sich die verbleibenden Ökosysteme anpassen können. Die Akademien der Wissenschaften in Europa fordern die Regierungen auf, die Klima- und die Biodiversitätskrise als eine Einheit und als gleichermaßen dringend zu behandeln.

„Teufelskreis aus kollabierenden Nahrungsmittelsystemen, gefährlichen Krankheitserregern und Zoonosen“
Michael Norten EASAC
Michael Norton Foto: easac

„Der Verlust der biologischen Vielfalt und der gefährliche Klimawandel verstärken sich gegenseitig in ihren katastrophalen Folgen. Es ist ein Teufelskreis, der nicht nur zu extremen Wetterereignissen führt, sondern auch zum Zusammenbruch der Nahrungsmittelsysteme und zu einem erhöhten Risiko von gefährlichen Krankheitserregern, Zoonosen und anderen gesundheitlichen Auswirkungen“, sagt Prof. Michael Norton, Direktor des Umweltprogramms von EASAC.

Die Verdrängung von Tropenwäldern durch die Landwirtschaft verringert die biologische Vielfalt. Gleichzeitig wird gespeicherter Kohlenstoff freigesetzt, die Kohlenstoffaufnahme im Boden verringert und der Ausstoß anderer Treibhausgase (THG) erhöht. Dies veranschaulicht, wie die verschiedenen Krisen zusammenwirken: Die Erwärmung der Temperaturen und die damit verbundenen Veränderungen der Niederschläge verringern die landwirtschaftliche Produktivität und führen dazu, dass Arten aus ihrem Lebensraum verdrängt werden und in einigen Fällen sogar aussterben. Die Erwärmung und Versauerung der Ozeane sowie die geschwächte Zirkulation verringern die Fähigkeit der Ozeane, Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre zu absorbieren und zu entfernen, während sich die Ökosysteme verändern oder verschlechtern.

„Selbst die kleinsten Lebewesen sind wichtig“, sagt Norton. „Der Regenwurm zum Beispiel könnte einer der besten Freunde – und Opfer – der Menschheit in ihrem Kampf gegen die verheerenden Folgen des Klimawandels sein. „Viele finden diese schlanken kleinen Lebewesen eklig, aber sie sind unersetzlich, wenn es darum geht, den Boden zu düngen und zu belüften und so die Bodenerosion zu verhindern“, sagt Norton. Dürreperioden sind für die Regenwurmpopulationen besondersverheerend. Wenn es zu wenige Würmer gibt, wird der Boden dicht, schlecht belüftet und wirkt wie ein verstopfter Abfluss. Die Folge sind häufigere und verheerendere Überschwemmungen.

Chance für mutige und transformative Maßnahmen

Die Wissenschaftler sehen aber auch Chancen: Die Erhaltung, Bewirtschaftung und Wiederherstellung von Ökosystemen kann beispielsweise den Klimawandel abschwächen und die Anpassung an seine Auswirkungen ermöglichen und gleichzeitig die biologische Vielfalt fördern. Auf der Grundlage der bisherigen Arbeit von EASAC enthält der Kommentar eine Liste von 16 Handlungsfeldern, in denen die Regierungen bereits mehr getan haben sollten. Dabei geht es um den Klimawandel, die Rolle der Biomasse-Energie, die Treibhausgasemissionen verschiedener Erdöl-Rohstoffe, Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen im Verkehr, in Gebäuden und in der Infrastruktur sowie um die Wechselwirkungen zwischen Klimawandel und menschlicher Gesundheit.

„Als Eltern und Großeltern sind wir genauso entsetzt wie alle anderen über das, was auf uns zukommt. Aber als Wissenschaftler wissen wir, dass es Möglichkeiten gibt, das Schlimmste zu verhindern und sich anzupassen. Aber nur, wenn die Regierungen in Europa und weltweit jetzt Verantwortung übernehmen und Führungsstärke zeigen“, sagt Lars Walloe, Vorsitzender des Umweltprogramms der EASAC. 

Aufbauend auf dem letztjährigen Klimagipfel können die Verhandlungsführer auf dem UN-Gipfel für biologische Vielfalt koordinierte, mutige und transformative Maßnahmen ergreifen, um die Synergien zwischen Klimawandel und Biodiversitätspolitik – wie etwa die massive Wiederherstellung von Ökosystemen – zu nutzen und den Kurs der Menschheit in Richtung einer nachhaltigen Zukunft zu ändern.

pm

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