Daten zur Verschwendung von Lebensmitteln

Daten zur Verschwendung von Lebensmitteln
Foto: Muu-karhu/Wikimedia CC/GNU 1.2

Daten zur Verschwendung von Lebensmitteln

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel sortiert jährlich rund 500.000 Tonnen Lebensmittel als Abfall aus. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Thünen-Instituts jetzt in enger Zusammenarbeit mit 13 Handelsunternahmen ermittelt.

Die Forscher bezogen dafür nicht nur Daten aus dem organisierten Einzelhandel, also Supermärkte, Discounter und Verbrauchermärkte, sondern auch andere Einzelhändler wie Drogeriemärkte, Bäckereien, Fleischereien, Onlinehandel, Wochenmärkte oder Tankstellen ein.

In Supermärkten, Discountern und Verbrauchermärkten fallen demnach 290.000 Tonnen an, bei den anderen Einzelhändlern kommen noch einmal 210.000 Tonnen hinzu. Die Berechnungen im Rahmen des Projekts „Dialogforum Groß- und Einzelhandel zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung“ basieren auf freiwillig bereitgestellten Daten zu Umsatzverlusten aus dem Jahr 2019.

Privathaushalte größte Verschwender von Lebensmitteln

„Wir konnten mit Buchführungsergebnissen großer Unternehmen verschiedener Betriebstypen und mit Umsatzzahlen des gesamten Sektors arbeiten“, sagt Projektleiter Dr. Thomas Schmidt vom Braunschweiger Thünen-Institut für Marktanalyse. „Daher ist die Hochrechnung der Verluste an Lebensmitteln im deutschen Lebensmitteleinzelhandel von sehr hoher Datenqualität.“ Erstmals, so Schmidt, konnte für Deutschland der gesamte Lebensmitteleinzelhandel abgebildet werden. Die so genannte „Baseline 2015“-Studie des Thünen-Instituts betrachtete nur Verbrauchermärkte, Discounter und Supermärkte sowie den Großmarkt.

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Auch wenn die Zahl von 500.000 Tonnen sehr hoch erscheine, entfalle auf den Einzelhandel nur ein Anteil von etwa 4 Prozent am gesamten Aufkommen von Lebensmittelabfällen, heißt es in einer Pressemeldung des Informationsdienstes der Wissenschaft (idw) zur Studie. Mit Abstand am meisten Abfälle entstehen demnach in den Privathaushalten (52 Prozent nach Berechnungen der Baseline 2015).

Aufgrund von noch einzelnen Datenlücken könne derzeit nur abgeschätzt werden, wie viel von den Abfällen tatsächlich auf den Müll wandere und wie viel gespendet werde (z.B. an Tafeln) oder in andere Verwertungsschienen komme (etwa Verarbeitung zu Tierfutter). Expertenschätzungen gehen davon aus, dass rund 30 Prozent der Verluste gespendet werden.

Wissen über Lebensmittelverschwendung stetiug verbessern

Die Umsatzverluste im Einzelhandel sind bei Brot- und Backwaren mit cirka. 6 Prozent am höchsten, gefolgt von der Kategorie Obst und Gemüse mit 4,3 Prozent. Diese beiden Produktkategorien enthalten vor allem schnell verderbliche Produkte. Bei Tiefkühlkost, Getränken und Trockensortimenten sind die Umsatzverluste mit 0,3 Prozent viel geringer, da diese Produkte in der Regel länger lagerfähig sind.


Der nunmehr gemeinsam erprobte Prozess der Erhebung, Weitergabe und Analyse von Daten kann, schreibt idw, in den nächsten Jahren weiter angewendet und verfeinert werden. Auch andere Sparten rücken ins Blickfeld: „Für die Aktualisierung des Berichts streben wir auch für den Großhandel eine ähnlich hohe Datenqualität an. Ebenso wollen wir die Datenlage über Lebensmittelspenden verbessern“, sagt Lia Orr. Sie ist Projektmitarbeiterin am Thünen-Institut.

Darüber hinaus möchte die Forschungsgruppe die Daten von interessierten Unternehmen analysieren, um passgenau wirkungsvolle Hebel für Reduzierungsmaßnahmen zu identifizieren.

Im Dialogforum Groß- und Einzelhandel zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Marktanalyse und Projektpartner des Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP) gemeinsam mit relevanten Unternehmen und Verbänden an einem Monitoring der Lebensmittelabfälle und entwickeln effiziente Maßnahmen zur deren Reduzierung.

Der aktuell veröffentlichte Zwischenbericht gibt einen Überblick über den derzeitigen Stand im Projekt.

red

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